E-Scooter: Mehr Risiko als Chance für die Umwelt?

In jeder größeren deutschen Stadt gehören sie mittlerweile fest zum Alltagsbild: Elektro Tretroller – kurz E-Scooter. Seit Juni 2019 dürfen E-Scooter erworben und im deutschen Straßenverkehr gefahren werden.
Der Gedanke hinter den E-Scootern ist die Elektrische Mobilitätswende – weg vom schmutzigen Verbrennungsmotor, hin zu sauberen Kraftfahrzeugen. Doch der Schein der vermeintlich sauberen E-Scootern trügt. Einerseits wegen ihrer Bauweise und anderseits durch den mehr als fragwürdigen Umgang einiger Menschen mit Leihgeräten.

E-Scooter in Zahlen

Das Interesse an den neuen E-Scootern ist in Relation zu anderen Verkehrsmitteln noch recht überschaubar. Einen Monat nach der Zulassung sind etwas mehr als 13.220 E-Scooter auf deutschen Straßen unterwegs. In den weiteren Monaten wird sich dieser Wert aber sicherlich erhöhen, da immer mehr Anbieter auf den Zug aufspringen wollen. Da die Roller schon durch 14-Jährige bewegt werden dürfen, ergibt sich eine breite Zielgruppe von Schülern über Pendlern, bis hin zu gemütlichen Rentnern. Wie zu erwarten war, konzentrieren sich die Sharing-Anbieter zunächst nur auf die deutschen Metropolregionen, so wurden allein in Berlin über 5.000 E-Scooter in den öffentlichen Raum integriert. In Zukunft sollen die Roller aber in jeder größeren deutschen Stadt angeboten werden.

Herstellung

Schon bei der Herstellung der Roller zeichnet sich ein gewisses Ungleichgewicht in Sachen Öko-Positivity ab. Damit der Elektromotor auch ohne externe Stromquelle problemlos läuft, benötigt er einen leistungsstarken Akku. Diese Akkus werden unter einem enorm hohen Verbrauch rarer Ressourcen hergestellt. Diese Ressourcen stammen meist aus ärmlichen, südamerikanischen Entwicklungsländern und werden unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen abgebaut.

Antrieb

An sich ist der Gedanke an ein rein durch Strom angetriebenes Gefährt super. Es werden keine stinkenden Abgase ausgestoßen und so gut wie kein Lärm erzeugt. Doch wo kommt der Strom eigentlich her? Leider zum Großteil immer noch von Kohle- und Ölkraftwerken. Die Energiewende hat zwar begonnen, trotzdem wird der Großteil unseres Stromes noch immer „schmutzig“ erzeugt. Und E-Scooter, genauso wie E-Autos, fördern diesen Strombedarf. Trotzdem wirkt sich der Stromverbrauch weniger schlimm auf die Umwelt aus, als etwa die Verbrennung von Kraftstoffen.
Außerdem steht es jedem Verbraucher frei, seinen eigenen Strom nachhaltig zu generieren, etwa durch erneuerbare Energien wie der Windkraft. Diese Möglichkeit steht aber auch nur Besitzern von E-Scootern offen. Der Großteil der E-Scooter auf deutschen Straßen stammt von sogenannten „Sharing“-Anbietern. Diese stellen eine Vielzahl von E-Scootern an Straßen auf, die sich Privatpersonen mittels App gegen eine Gebühr mieten können. Abends werden die E-Scooter von „Juicern“ eingesammelt und aufgeladen. Diese „Juicer“ benutzen zum Einsammeln natürlich keine E-Fahrzeuge, sondern herkömmliche Lieferwagen. Die Ökobilanz wird somit zusätzlich geschmälert.

Umweltsünder Mensch

Bei Sharing-Angeboten stellt sich immer mehr die Frage, ob der Mensch dafür geeignet ist. Seit einigen Jahren haben sich normale Sharing-Fahrräder im Stadtbild etabliert. Doch mit den Fahrrädern kam auch das Problem des Vandalismus. Menschen zerstören mutwillig Fahrräder oder schmeißen sie in das nächste Gebüsch. Leider hat sich der Trend der Rücksichtslosigkeit mit der Einführung der E-Scooter fortgesetzt. In Paris etwa ist es zu einem regelrechten Trend unter Jugendlich geworden, die E-Scooter in die Seine zu werfen. Die Folgen für den Fluss sind katastrophal. Laufen die eingebauten Akkus aus, werden Gewässer und Ökosysteme toxisch belastet. Fische und Pflanzen sterben. Auch in Deutschland gibt es erste Fälle von „Gewässer-Vandalismus“ durch E-Scooter. Leider kann nicht jeder einzelne Roller bewacht werden, von daher bleibt die Frage, ob der Mensch für Sharing bereit ist.

Entsorgung

Viele E-Scooter der älteren Generationen haben schlichtweg leistungsschwache Akkus verbaut. Diese halten nicht sonderlich lange und benötigen unverhältnismäßig viel Energie bei der Aufladung. Wenn der Roller ausgedient hat, fällt er unter das Elektro-G und muss fachgerecht als Elektroschrott entsorgt werden. Hierbei ist es zu empfehlen, den Roller beim Verkäufer oder dem nächsten Recycling-Center zu entsorgen. Elpro berät dazu gerne!

Elpro rät:

Den E-Scooter an sich zu verteufeln, wäre verkehrt. Bei richtiger Handhabung, dem richtigen Gerät und einer nachhaltigen Aufladung ist er auf jeden Fall eine gute Alternative zum und im motorisierten Stadtverkehr. Jedoch sollte bei Möglichkeit auf Sharing-Geräte verzichtet werden. Außerdem empfiehlt es sich, beim Kauf ein Modell in höheren Preissegmenten zu wählen.